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Bannoser - Drama-Gruppe 

02 D 2018 01Gelungene Premiere von „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“

Eindrucksvoll zeigte die Drama-Gruppe der Bannoser in ihrer diesjĂ€hrigen Produktion „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach Heinrich Böll wie Gewalt entstehen und wohin sie fĂŒhren kann.

So beschrieb es zu Beginn des StĂŒckes die Stellvertreterin des Autors (Anna Urbanik), die das Publikum in das Geschehen einfĂŒhrte und in dessen Verlauf auch in kritischen Dialog mit den Darstellern trat.

Im StĂŒck geht es jedoch nicht in erster Linie um physische Gewalt, obwohl der flĂŒchtige TatverdĂ€chtige Ludwig Götten einen Raubmord begangenen haben soll, sondern vielmehr um eine Art psychologische Gewalt, weil hier durch falsche Anschuldigungen und verdrehte Wahrheiten eine Rufmordkampagne gegen die bislang unbescholtene BĂŒrgerin Katharina Blum (Hannah Schlingmann) gefĂŒhrt wird.

Die Manipulationen der „Zeitung“, insbesondere die des Journalisten Werner Tötges (Fabian Stichling), bringen die angesehene Frau in Verruf und beflecken ihre Ehre, hat sie sich doch an Weiberfastnacht auf eine AffĂ€re mit eben jedem Ludwig Götten eingelassen.

Details aus der Vernehmung, welche durch die ermittelnden Beamten (JĂŒrgen Kredel und Hannah Zörgiebel) und die StaatsanwĂ€ltin (Eva Schwarz) bereitwillig an die Presse weitergeleitet werden, gelangen an die Öffentlichkeit und werden von dem skrupellosen Schreiberling etwas „frisiert“. Dabei schreckt er auch nicht davor zurĂŒck, die todkranke Mutter der jungen Frau aufzusuchen und sie massiv unter Druck zu setzen.

Intimste Details aus dem Privatleben, wie etwa diverse „Herrenbesuche“ des Herrn StrĂ€ubleder (Nikolai Jeuthe), werden öffentlich gemacht, ganz gleich, ob sie der Wahrheit entsprechen oder der Fantasie des Journalisten entstammen. Die Leserschaft der Zeitung will schließlich unterhalten werden. Um die Auflage zu steigern ist es nötig, hie und da die Wahrheit ein wenig zu verĂ€ndern und Vermutungen wie Tatsachen aussehen zu lassen, Aussagen zu deuten und den Interviewten andere Worte in den Mund zu legen: „Journalistic Entertainment“ nennen das die Briten. Auch das mit Katharina befreundete Ehepaar Blorna (Heike MĂŒller und Michael Partheil) sowie ihre Patentante und deren LebensgefĂ€hrte (Birgit Zörgiebel und Rainer MĂŒller) fallen diesen journalistischen Praktiken zum Opfer.

Angesiedelt in den 1970er Jahren zur Zeit des RAF-Terrors in der BRD, spielte die historische Verortung jedoch nur eine untergeordnete Rolle fĂŒr die Aussage des StĂŒckes.

Die Art, wie hier mit einer jungen Frau umgegangen wird, wie jedes noch so intime Detail ihres Lebens an die Öffentlichkeit gezerrt wird, macht betroffen und nachdenklich. Die Verbreitung falscher Wahrheiten ist gerade in unserer digitalen Welt ein reales Problem. In Zeiten von „alternativen Fakten“ und „Fake News“ fĂ€llt es oft schwer zwischen Tatsachen und bloßen Vermutungen oder böswilligen Unterstellungen zu unterscheiden. Nur der grĂ¶ĂŸte Skandal, die grĂ¶ĂŸte Aufregung garantiert Aufmerksamkeit, garantiert Umsatz und das ist es, was zĂ€hlt. Leider auch hĂ€ufig in unserer heutigen Zeit.

 

Zum Inhalt:

Ein junger Mann, in den sich Katharina am Abend vor Weiberfastnacht wĂ€hrend einer Karnevalsparty ihrer Tante verliebt und mit dem sie die Nacht verbracht hat, wird als Terrorist verdĂ€chtigt und gesucht. Aus Unwissenheit heraus hilft sie ihm der Polizei zu entkommen und wird in der Folge das Opfer einer skrupellosen Schmutzkampagne. Über Nacht wird sie zum "RĂ€uberliebchen", zu einer, die einen "Terroristen deckt". Wesentlichen Anteil an diesen Anschuldigungen hat die „ Zeitung“. Ihr gelingt es, Katharinas gesamtes Leben in die Öffentlichkeit zu zerren, alles zu verdrehen und zu entstellen und ins Gegenteil zu verkehren.

Die Polizei, verkörpert durch Kommissar Beizmenne und dessen Assistentin Pletzer sowie Frau StaatsanwĂ€ltin Hach tun mit ihren penetranten Verhören und guten Kontakten zur Presse ihr Übriges. Sie setzen Katharina unter Druck, doch sie lĂ€sst zunĂ€chst in fast stoischer Ruhe die Anschuldigungen ĂŒber sich ergehen und beteuert dabei stets ihre Unschuld. Diese unterstreicht auch vehement das renommierte Ehepaar Blorna, bei dem sie als Hausangestellte arbeitet und das Katharina protegiert. Ebenso wie ihre Patentante Else Woltersheim, die es kaum ertragen kann, dass ihre Nichte derart verleumdet wird.

Die „Zeitung“ jedoch macht immer weiter, ist immer auf der Suche nach der Story. Sie findet im Verhalten und in den Aussagen Katharinas ein gefundenes Fressen fĂŒr den skrupellosen Sensationsreporter Tötges. Er serviert die Sensation um "die Mörderbraut" die „regelmĂ€ĂŸig Herrenbesuch empfĂ€ngt“ den Lesern hĂ€ppchenweise. Das garantiert Auflage!

Katharina hingegen gerĂ€t unter einen enormen, schnell wachsenden psychischen Druck und sieht sich schließlich nur noch mit einem Akt der Gegengewalt in der Lage, ihre verlorene Ehre wieder herzustellen


Der Text ist eine schonungslose Anklage gegen sensationslĂŒsternen Journalismus, dem Schlagzeilen wichtiger sind als Wahrheiten, Verkaufszahlen wichtiger als das Schicksal des einzelnen Menschen. Die Macht der Medien

ist ungebrochen, menschenverachtende journalistische Praktiken und Meinungsmache zerstören auch heute noch hÀufig Leben, deshalb hat der Text auch in unserer heutigen Zeit nicht an AktualitÀt verloren.

 

 

 

 

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